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Röntgen
Kasuistik

 

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Röntgenkasuistik-Blockwirbel:

Selten kann man so schön wie in diesem Beispiel zeigen, wie sich die Dialektik zwischen Form und Funktion entwickelt.
In den hier vorliegenden vier HWS- Aufnahmen wird ein Zeitraum von über 20 Jahren abgedeckt. Ausgangsbefund ist ein Blockwirbel C2/C3, auf dem ersten Bild ist die Patientin 41 Jahre alt. Deutlich ist die rudimentäre Bandscheibe und die weitgehend unauffälligen Gelenkflächen der Etage C3/C4.
Der Proc. articularis ant. sup ist etwas spitzer und akzentuierter, als es der Norm entspräche, aber insgesamt liegt eine reizlose Etage vor.
Die oberen Kopfgelenke sind projektionsbedingt nicht einsehbar.

Auf dem Bild 7 Jahre später erkennt man schon deutlich, wie der Gelenkspalt gemindert ist und sich eine dezente Sklerosierung der subchondralen Kompakta zeigt. Die Wirbel sind leicht rotiert (was auch der Kopfrotation entspricht). Auch hier kann man das Gelenk C1/C2 nur ahnen. Weitere fünf Jahre später ist die Wirbelgelenk- Arthrose fortgeschritten. Im vorderen und hinteren Anteil des Gelenks sind deutliche Höhenminderungen zu erkennen, die Sklerosierung hat zugenommen (dies muß mit Vorbehalt gewertet werden, da die Bilder von unterschiedlichen Instituten gefertigt wurden).

Auf der vorläufig letzten Aufnahme - die Patientin ist inzwischen 62 Jahre alt - sieht man erstmals auch das atlanto-dentale Gelenk und hier die Hypoplasie des Dens mit Ausmuldung der Gelenkfläche C1/C2. Es ist deutlich zu sehen, daß hier kaum eine Gleitbewegung des Arcus ventralis atlantis auf dem Dens stattfinden kann, wenn dies die Kopf-Anteflexion erforderte. Neben der fehlenden Bewegung im Segment C2/C3 ist also auch das Segment C1/C2 weitgehend funktionseingeschränkt. Das Wirbelgelenk C2/C3 ist noch arthrotischer und der Proc. art. ant. sup. jetzt ausgezipfelt und hyperplastisch. Ein klassischer Risikofaktor für die direkt davor verlaufende A.vertebralis bei Retroflexion.

Für den Manualmediziner heißt dies: Bei dieser Patientin ist die Beratung hinsichtlich der Haltungshygiene ein wichtiger - wenn nicht der wichtiste - Bestandteil der Therapie. Jede mobilisierende oder gar manipulative Behandlung ist kontraindiziert. Auch Traktionsgriffe sind bei solch einer HWS riskant. Es sei davor gewarnt zu glauben, man könne hier mit sogenannten "weichen" Techniken etwas erreichen. Wenn überhaupt kann nur versucht werden, indirekt über die Kau- Kiefermuskulatur und den cervico-thorakalen Übergang zu arbeiten. Eine wesentliche Besserung konnte hier schon dadurch ermöglicht werden, daß man von den leidenschaftlich gepflegten Handarbeiten abriet bzw. dafür sorgte, daß hierbei keine starke Anteflexion eingenommen wurde und auch die Arbeiten über Kopf (Gardinen aufhängen, hohe Schränke putzen) vermieden wurden. Ohne Röntgenbild ist diese Situation nicht analysierbar.
  
Grafik unten