Der diagnostische Blick auf die Bewegung

Wieviel genaues Beobachten erkennen läßt erschließt sich dem Zuschauer nur langsam und mühevoll. Der diagnostische Blick ist uns aus der Inneren Medizin wohl bekannt. Hier geht es meist um Statisches, d.h. das Erkennen von Hautveränderungen oder Gewebezuständen. In der Orthopädie steht die dynamische Komponente in den Mittelpunkt: Wie bewegt sich einer, welche Synkinesen (‚mit-Bewegungen‘, d.h. Motorik neben der Intentionsbewegung) nutzt, welche unterdrückt er. Geht der Kopf der Rumpfwendung voraus oder dreht sie sich en-bloc? Wie spricht einer? Mit dynamischer Mundöffnung oder ‚bekommt sie die Zähne nicht auseinander‘? All diese Details verraten viel, sehr viel über die Krankheitsgeschichte des Patienten schon bevor wir mit dem eigentlichen Gespräch überhaupt begonnen haben.

Bewegung erkennt man um so besser, je bewußter man sie wahrnimmt. Dies wiederum wird dadurch erleichtert, dass man sie versucht technisch festzuhalten. So wird die Photographie und der Film zum Helfer einer besseren Diagnostik. Dies ist ein Grund, warum wir in unserem Titelbereich auf einen alten Pionier der fotographischen Bewegungsanalyse verweisen (Muybridge, Artikel hier)

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