Verzahnen von manualmedizinischer Behandlung mit anderen Therapieansätzen

Wenn Manualmedizin nicht nur als ‚Tool‘ in einem anderen Konzept benutzt wird, sondern definierende Basis ärztlichen Handelns ist, bedeutet dies, dass die Funktionsanalyse des muskuloskeletalen Apparats im Mittelpunkt von Diagnostik und Therpie stehen. Gerade bei Kindern und Säuglingen hat man damit ja auch seine Erfolge. Aber alles kann besser, wie man richtig zu sagen pflegt und gerade in den Wintermonaten haben wir gemerkt, dass unsere Therapie nicht so sauber anschlug wie wir das gewohnt waren.

Manchmal sind die Kollegen weit weg …

Also muß  man über den Tellerrand raussehen und merkt dann, dass andere Funktionssysteme sehr eng mit unserem Arbeitsbereich interagieren. Gerade bei Babies und Kindern sind dies:

  • HNO
  • Zahnheilkunde
  • Neurologie

… um nur einige zu nennen.

Nun ist eine Zusammenarbeit einfacher, wenn man sich kennt; bei unseren ‚aus allen Ecken kommenden‘ Patienten hat man nur selten Fälle, wo man den/die Kollegen kennt – und nicht selten ist das Wissen um die Wirksamkeit funktioneller Therapie nicht eben präsent.

Eine Lösung ist die Kommunikation mit Merkblättern, die gewisse Themenbereiche umfassen. Einige haben wir aauf unserem Praxis- Website zusammengefaßt (Rubrik „zum Ausrucken“). Kollegen, die einen eher lokalen Patientenkreis betreuen haben es da leichter. Nach dem dritten/vierten Mal bahnt sich meist ein Erfahrungsaustausch an. Trotzdem ist es immer wieder verwunderlich, daß Kollegen, denen man schon mehrmals bei Problemen helfen konnte, wenig Motivation für das Kennenlernen der manualmedizinischen Prinzipien haben. Es ist halt weit weg von ihren gewohnten Denkmustern.

Es gibt in der Manualmedizin eine Tendenz, die Alteingesessenen für sich zu gewinnen, indem man alle MM- Manöver validiert. Das ist eigentlich ein ehrenwertes Unterfangen, die Statistik- kompatible Aufarbeitung unserer Einzelfälle scheitert aber daran, daß so elend viele Parameter zu berücksichtigen sind. Ein Kreuzschmerz bei einer Frau ist noch abhängig von Periode, Lebenssituation (gerade entbunden, Schreibtisch- Job, Begleiterkrankungen) und Körperform. Es dürfte unschwer erkennbar sein, daß es wenig bringt, eine kleine und schlanke jungen Frau mit einer städtischen Lebenssituation mit einer Bäuerin zu vergleichen, die ihr Leben lang schwer – im wahrsten Sinne des Wortes – ‚geackert‘ hat. Dann hat man schon recht viele Gruppen, von den Vergleichs- Kollektiven mal ganz zu schweigen.

Für uns meist in der niedergelassenen Praxis Tätige bleibt als realistische Perspektive nur die kasuistische Überzeugungsarbeit der erfolgreich behandelten Einzelfälle. Aber da hat die Erfahrung vieler Jahrzehnte gezeigt, daß man so nur eine Minderheit der Kollegen umstimmt – im Gegensatz zu den Patienten, die viel eher bereit sind, ihren Nachbarn, Kollegen oder Familienmitgliedern von einer erfolgreichen Behandlung zu erzählen.

Ein zweiter Ansatz sind Diskussionen, die man im Rahmen von Fortbildungen organisieren kann und die (wenn man sich um die nicht allzu schwer bekommbaren Vortbildungspunkte bemüht) durchaus gerne angenommen werden, aber (wie der Schwabe sagen würde) „saumäßig viel Arbeit machen„. Aber das ist halt so – und schließlich macht es Spaß. sich mit fachfremden Kollegen austauschen zu können.

 

 

 

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